Bericht 27.05.2010

Liebe Familie, Freunde und Leser

Es wäre an der Zeit, euch über unsere Reise zu aktualisieren. Die letzten Tage waren für uns wegweisend, darum wollen wir zuerst von diesen Geschehnissen berichten, so als "Vorspeise" zu unserem neuen Reisebericht von Nordargentinien. Dieser sollte in Kürze folgen. Eigentlich hatten wir geplant, den Paso Jama von Argentinien her (bis 4800 M.ü.M. hoch) nach Chile zu überqueren, besser gesagt zu bezwingen und von dort aus die Lagunen-und Salarroute nach Uyuni, Bolivien zu fahren.

Aber eben, es kommt alles anders.... Am ersten Tag stand eine absolute Bergfahrt auf dem Programm. Vom Dörfchen Purmamarca auf 2200 Meter über Meer ging es auf 4200 Meter hoch auf einer Strecke von 36 Kilometern! Wir befuhren absolutes Niemandsland, das hiess: Essen und Proviant für sicher 4 Tage und Wasser für ca. 2 1/2 Tage mitschleppen! So belud Michi sein Velo mit 9 Liter, Silvia mit 8 Liter Wasser.

Wir haben die imposante "Cuesta Lipan" in 5 Stunden geschafft und wurden auf der anderen Bergseite mit unfreundlichem eisigen Gegenwind begrüsst, zudem war das Wetter nicht wie üblich strahlend blauer Himmel, sondern es war bewölkt und ab und zu liess eine Wolke sogar ein paar Schneeflocken fallen. Am 2.Tag nahmen wir uns fest vor, das kleine Oertchen Susques in 80km zu erreichen um nicht nochmals campen zu müssen. Wir schafften es nicht! Es war zwar wieder blauer Himmel, aber der Wind war schon um 8 Uhr so stark, dass wir nur ganz langsam vorankamen und wir mussten uns regelmässig mit Führen und Kämpfen im Wind abwechseln. Wir haben ja schon einiges erlebt und ettliche Reisekilometer auf den Reifen, aber solch ein grässlicher Tag wurde uns noch nie beschert! 2 mal stürtzten Michi und ich synchron in den Strassengraben als uns eine Sturmböe erfasste, nachmittags als der Wind nur noch ein Ungeheuer aus Wind, Sand und Sturm war, mussten wir Abfahrten HINABSCHIEBEN! Sand in den Augen, in der Nase, im Mund.....wie angenehm. Es war uns zuviel! Noch bei Kilometer 40 fuhr uns ein Motorradfahrer entgegen und brachte uns die Nachricht, dass der Jamapass gesperrt sei wegen Schnee auf der chilenischen Seite, alle Busse, Lastwagen und PW stoppten in Susques und konnten nicht weiterreisen. Wir waren aber noch fest motiviert, das kleine Oertchen zu erreichen und wenn es noch so lange dauern würde......was wir nachher entscheiden würden, liessen wir offen. Die Aussichten auf eventuelles Warten in Susques und schneebedeckte Pässe auf 4800 Meter und eine verschneite Lagunenroute waren nicht gerade einladend. 9 Kilometer vor unserem Ziel gaben wir auf...völlig entkräftet, entnervt und niedergeschlagen suchten wir ein einigermassen windgeschütztes Plätzchen um das Zelt aufzustellen...zum Glück haben wir darin schon etwas Uebung...was hätten wir sonst tun können?

Genau in dieser Zeit überholte uns kein Gefährt, das uns die letzten Kilometer hätte mitnehmen können. Doch dann stoppte nochmals ein entegegenkommender Kleinwagen. Ein australischen Paar, das wir in Salta im Hostal kennengelernt hatten. Wie doch die Welt klein ist! Sie informierten uns noch zusätzlich, dass es in Susques keine freien Betten oder Zimmer mehr gäbe, da so viele Reisende blockiert seien. Viele müssten wieder umkehren. Wir hatten also mit Zeltaufstellen richtig gehandelt und "freuten" uns auf eine superromantische, stürmische Nacht im sandigen Zelt mit sandigem Schlafsack mit Sand im Nachtessen und Sand auf der Zahnbürste! Nur das Sandmännchen wollte uns nicht besuchen...... und wisst ihr was? Silvia kann Sand nicht ausstehen! In dieser Nacht entschieden wir uns, nicht weiter in Richtung Jamapass zu fahren. Irgendwie war dieser Weg nicht für uns bestimmt, wir hatten so die Nase voll von Gegenwind und höherer Naturgewalt, von dieser "Rackerei"! Am nächsten frühen Morgen packten wir unsere versandeten Sachen zusammen und Michi stoppte das erste Auto das vorbeifuhr.... ein Pickup!

Wir wurden von sehr freundlichen Angestellten der Tankstelle des Jamapasses mitgenommen und fuhren die ganze abgestrampelte Strecke (12 Stunden Knochenarbeit) in kurzen 2 Stunden wieder zum Ausgangspunkt nach Purmamarca zurück. Nun werden wir die eher übliche Strecke in Nordargentinien an die bolivianische Grenze weiterreisen. Natürlich müssen wir unsere Route neu planen, uns neu organisieren. Wir sind aber beide auch so zufrieden. Die Lagunenroute haben wir vor 12 Jahren per Jeeptour bereist und ist uns bekannt. Klar, es wäre ein einmaliges Abenteuer gewesen diese Strecke per Velo zu befahren. Nun freuen wir uns auf schöne und interessante Orte die wir auf der neuen Route kennenlernen werden.

Wir sind nun in Tilcara, einem Oertchen etwa 84km nördlich von San Salvador de Jujui, bereits haben wir ein Zimmerchen bezogen und eine Festung aus alter Zeit und den Botanischen Garten besucht. Hier werden wir unsere übersäuerten Beine auskurieren und die nicht so schlafgesegneten Nächte nachschlafen. Bald hört ihr mehr von unserer Nordargentinienreise die wir in Mendoza angefangen haben.

Wir senden euch liebe Gruesse

Silvia und Michi

 




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